Methodik: Interesse der Gesetzgeber und Forscher

Besonders für Automobilhersteller, Zulieferer, Gesetzgeber und Forscher im Bereich der Verkehrssicherheit ist es interessant und wichtig, was der eigentliche Grund eines Verkehrsunfalls war. GIDAS untersucht mit durchschnittlich 3500 Einzelinformationen einen Unfall und legt dabei eine Akte an, die mit circa 150 Fotos ergänzt wird.

Bei jedem Verkehrsunfall mit Personenschaden, der sich innerhalb der Erhebungszeit im Erhebungsgebiet ereignet und der bei der Polizei gemeldet wird, besteht eine gewisse Wahrscheinlichkeit dass er vom Erhebungsteam aufgenommen wird. Damit später eine genau Rekonstruktion und Analyse vorgenommen werden kann, werden vor Ort wichtige Daten erhoben. Die Erhebungszeiten alternieren wochenweise zwischen einerseits 00:00 bis 6:00 Uhr und 12:00 bis 18:00 Uhr und andererseits 6:00 bis 12:00 Uhr und 18:00 bis 24:00 Uhr.

Essentiell ist die ganzheitliche Aufnahme der gesamten Begleitumstände des betrachteten Unfalls. Die Beschreibung des Unfallablaufs und des -typs, der Unfallart sowie eine Charakteristik der Beteiligten und der Ablauf der Rettungskette werden aufgenommen. Auch die Absicherung der Unfallstelle und der Verkehrsfluss zur Unfallzeit werden notiert. Es folgen Skizzen des Unfalls mit Fahrtrichtungen, Kollisions- und Endstellungen, da diese die Grundlage für die spätere Rekonstruktion sind.

Das Fahrzeug
Um für die Unfalldatenauswerter eine informationsreiche Basis zu schaffen, werden Fahrzeugdaten erhoben, wie der Zustand des Fahrwerks und der Reifen, die Fahrzeugausstattung allgemein und speziell der Sicherheitssysteme und ihrer Funktion während des Unfalls. Wichtig sind auch entstandene Deformationen und Beschädigungen am Fahrzeug sowie am Kollisionsgegner.

Die Umwelt
Damit die Rekonstruktion möglichst genau wird, untersucht das Erhebungsteam vor Ort die Umwelt- und Straßenverhältnisse. Nicht nur die Sichtverhältnisse, sondern auch die Straßendaten, wie Straßengeometrie, -zustand, -temperatur sowie Neigungsverhältnisse, Wasserfilmhöhen und Verkehrsregelungen werden aufgenommen. Die Umweltinformationen sind auch für die Bewertung der Rahmenbedingungen für Unfälle interessant.

Die Beteiligten
Das Entstehen eines Unfalls hängt zwangsläufig auch von den Beteiligten ab, die demzufolge bestmöglich vom Team untersucht werden. Neben Basisinformationen zu Alter und Geschlecht sind auch Daten zum Führerscheinbesitz, etwaigen Einschränkungen wie Krankheiten und Stressfaktoren, aber auch Fahrerfahrung und Ablenkungen wichtig.
Eine psychologische Befragung der Beteiligten kann weitere Aufschlüsse über den Unfall bringen. Gemeinsam wird der Unfall noch einmal druchgegangen, bspw. wie hat der Beteiligte den Unfall empfunden? Oftmals kann daran erkannt werden, wo die Schwachstelle im Zusammenspiel zwischen Mensch, Umwelt und Technik lag. Für die Systementwickler ist das der beste Anknüpfungspunkt, um die Technik im Auto zu verbessern und den Menschen zu unterstützen.
Mit der Einverständniserklärung der Beteiligten werden mögliche Langzeitfolgen untersucht und Behandlungsmaßnahmen im Krankenhaus in die Akte aufgenommen. Dieser erweiterte Blick auf das Geschehen, auch in Hinsicht auf die Rettungskette direkt nach dem Unfall, ermöglicht auch Krankenhäusern und Rettungsassistenten eine Verbesserung in ihrem Handeln.
Mit den erhobenen Unfalldaten wird später eine Rekonstruktion des originalen Unfallhergangs vorgenommen. An Hand der Unfallskizze kann fahrdynamisch und belastungsdynamisch genau wiedergegeben werden, wie der Unfall abgelaufen ist. Dabei werden auch Parameter wie Blickbeziehungen und Krafteinwirkungen sichtbar gemacht. Der nächste Schritt ist die Simulation des Unfalls. Hier können verschiedene Parameter verändert werden, um zu sehen, wie sich der Unfall beispielsweise mit einer geringeren Geschwindigkeit verändert hätte. So kann der Nutzen von aktuellen Sicherheitssystemen bewertet werden und neue Sicherheitsideen können entstehen.
Alle Unfälle und Informationen werden dann in die GIDAS Datenbank übertragen, an Hand derer Automobilhersteller und Zulieferer ihre eigene Technik im Verkehr sehen, bewerten und verändern können.

Datenschutz
In der GIDAS Datenbank liegen alle Informationen ausschließlich anonymisiert vor. So werden von den am Unfall beteiligten Personen Namen, Adressen, Geburtsdaten etc. nicht gespeichert. Auch bleiben der genaue Unfalltag und die Kennzeichen und Fahrgestellnummern der beteiligten Fahrzeuge unbekannt. Auf Fotos der Unfallstelle, der beteiligten Fahrzeuge und der Unfallbeteiligten werden Merkmale, die eine Identifizierung der beteiligten aber auch unbeteiligten (z.B. Passanten) Personen zulassen würden, wie zum Beispiel Gesichter und Kfz-Kennzeichen, verpixelt.
Die Erhebungsteams, die teilweise auch personenbezogene Daten erheben, überprüfen regelmäßig, ob die angewandten Methoden zum Schutz dieser Daten noch zeitgemäß sind bzw. den Anforderungen genügen bzw. lassen die Prüfung durch unabhängig Datenschutzbeauftragte durchführen.

Unfallerhebungen vor Ort - Dresden und Hannover

Kooperationsprojekt der Bundesanstalt für Straßenwesen und
der Forschungsvereinigung Automobiltechnik e.V. Herunterladen

Lenkungsausschuss